Kritik in den Kieler Nachrichten vom 27.3.2007


Klassik Ensemble Kiel: Ein Sommernachtstraum
Von Stephan Turowski
Kiel - Wie schön und quälend es ist, den vielfältigen Täuschungen der Liebe zu erliegen! Ein seit Jahrhunderten beispielhaftes Panorama je­ner Wirren ist Shakespeares Sommernachtstraum. Die Liebenden in diesem Stück sind Teil eines Spie­les, das jeden von ihnen an die Grenze des eigenen Wahrneh­mungsvermögens führt. Eine Strategie Shakespeares, das Unerträg­liche dieser Extremerfahrung den­noch erträglich zu machen, ist, im Schlussmonolog alles Geschehene als Illusion zu bezeichnen. Die Bühnenmusik, die Mendelssohn zu diesem Stück geschrieben hat, war Schwerpunkt eines Kon­zertes des Klassik Ensembles Kiel und den Frauenstimmen des Rachmaninow-Chores in der Petruskir­che. Es war hierbei eine kluge Ent­scheidung Günther Strothmanns, die gesprochenen Zwischentexte wegzulassen: Somit war das Stück als eine Art Melodram zu hören, dessen innerer Zusammenhang al­lein durch die Musik realisiert wur­de. Eine flirrend ambivalente Mu­sik, die den Instrumentalisten eine erhebliche Aufmerksamkeit und Wendigkeit abverlangt - erfreuli­cherweise mangelte es Stroth­manns Ensemble gerade daran nicht, das war von der Ouvertüre an klar. Ein Problem dagegen war die Akustik der Petruskirche, die für Konzerte größerer Instrumentalen­sembles sehr problematisch ist. Eklatanter noch als bei Mendels­sohn war dies bei der Interpretation von Rossinis Semiramis- Ouvertü­re zu hören, die, unter solchen klanglichen Bedingungen, bloß scheppernd und blechern geraten konnte; bezeichnenderweise war dies bei der selten zu hörenden Se­renade für Streichorchester des schwedischen Komponisten Dag Wirén kein solches Problem.